So wirkt die Krise auf Musiker

Keine Konzerte, keine Events, keine Studiosessions. Folgedessen: Kein Einkommen für die meisten Musiker in der ganzen Schweiz. Das sind die offensichtlichen Folgen der COVID-19 Pandemie für unser Business. Aber da sind ja noch andere Möglichkeiten. Onlinekonzerte, Streaming und kreativzeit für neue Songs und Projekte. Aber ist das wirklich so positiv? So wirkt die Krise auf Musiker.

Man hat viel gesehen und gelesen in der letzten Zeit über Berufsmusiker in der Krise. Ich selbst bin das erste Mal in meinem Leben froh, nicht vollständig von Musik zu leben. Denn das Internet hebt die Verluste nicht annähernd auf.

Ja, es stimmt. Es sind durch Onlinekonzerte neue Möglichkeiten entstanden, die durchaus ihre Berechtigung haben und auch cool sind. Nur: Sie sind wohl besser als Ergänzung zum eigentlichen Musikbusiness und nicht als Ersatz. Warum? Weil davon finanziell nicht viel hängen bleibt.

Das Internet hat einen entscheidenden Nachteil. Die Konsumenten sind sich gewohnt, alles gratis zu erhalten. Youtube bietet einem mehr Inhalte, als ein Mensch in einem ganzen Leben konsumieren kann. Und: Alles ist gratis. Es sind Tageweise Konzerte und Musik abrufbar. Und dann soll der Konsument Geld ausgeben, um ein Livekonzert im Internet zu sehen? Leider hat die Realität ein ganz anderes Bild gezeigt – auch verständlicherweise, denn auch die Konsumenten sind von Unsicherheit und teilweise Erwerbsausfällen geplagt.

Dann bleibt ja noch das Streaming, richtig? Spotify, der Spitzenreiter, hat für das erste Quartal 2020 Topzahlen veröffentlicht. Aber davon merken die Künstler nichts. Denn da ist die Rede von einem Einbruch bei den Streamingzahlen – und zwar einem beträchtlichen Einbruch. Warum? Wir wissen es nicht, nehmen aber an, dass wohl viele lediglich auf dem Arbeitsweg Musik streamen – was nun grösstenteils wegfiel. Bei durchschnittlich 0.38 cent pro Stream bekommt ein Musiker bei Spotify sowieso schon quasi nichts.

Ja ich lebe nicht von Musik und meine Streamingzahlen sind unbedeutend. Doch woher weiss ich das alles? Ich durfte bei einem längeren Gespräch mit einem bekannten Musiker erfahren, was es bedeutet, in dieser Zeit von Musik zu leben. Der Musiker, welcher bereits weltweit mehrere Nummer eins Hits hatte sowie mehrmals eine Welttournee abhielt, gab mir deutlich zu verstehen, dass die momentane Situation sehr belastend ist. Denn auch der Kreativprozess leidet unter der momentanen Situation – den Reisebeschränkungen.

Leben im einen Land, Familie in einem anderen, die Plattenfirma nochmals in einem anderen Land und das Studio sowieso. Dazu kommt, dass die meisten Singer/Songwriter verschiedene Kreativorte auf der ganzen Welt nutzen, um Songs zu schreiben und den Kreativkprozess in Gang zu bringen. Auch das ist momentan grösstenteils unmöglich – dank den Beschränkungen.

Es ist zu hoffen, dass diese Krise nicht mehr allzu lange dauert – für die Künstler wäre dies fatal. Denn: So wirkt die Krise auf Musiker: Demotivierend, beängstigend und existenzgefährdend.

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